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England Irland

Tag 22: Irland in England

Murphys Gesetz

Hoher Seegang auf der irischen See, während im Bordfernsehen Bambi läuft, verteilt ein Stewart unauffällig Kotztüten auf den Passagiertischen. Hinter mir sitzt ein Deutscher mit Familie und den offenbar irischen Schwiegereltern. Während die Verwandtschaft das üppige Mahl in sich hineinschlingt und unaufhörlich redet, wirkt er etwas blass um die Nase und nimmt nur kleine Häppchen von seinem Reis mit Fischfrikassee. Ich versuche, mir jegliche Gedanken von Seekrankheit zu sparen und in meinem Stuhl sitzend einzuschlafen. Es gelingt, nur ab und zu erwache ich um zu sehen, was das Disney-Reh gerade treibt.

Genug Platz für alles
Bei Wellen und Bier fühlt sich der Ire zuhause

Die Fähre von Dublin nach Holyhead (Wales) hatte ich zuvor nur mit Mühe erreicht. Das nächste Mal sollte ich vielleicht lieber einen Bus oder ein Taxi nehmen, oder mich zumindest vorher im Internet über das richtige Terminal schlau machen, anstatt mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken im weiten Hafen zwischen Petroleumsilos und Frachtcontainern umherzuirren. Diese werden mir nun stärker in Erinnerung bleiben als die beeindruckende Stadt selbst.

Wir Jungs vom Hafen

Erst gegen Abend erreichen wir Liverpool, der eingepreiste Zug von Holyhead braucht nochmals drei Stunden. Meine Dublin-Mitbewohnerin Claira aus Australien nimmt dieselbe Route und kann mir auch gleich ein Hostel empfehlen; als wir in der Liverpooler Innenstadt nach dem Weg fragen, warnt uns eine ältere Dame „Das ist dort hinten, aber seid vorsichtig“. Natürlich ist es weder dort hinten, noch werden wir überfallen.

Den richtigen Weg zeigt uns John, ein freundlicher älterer Herr, der früher als Übersetzer für südostasiatische Sprachen, deutsch und holländisch arbeitete und uns noch vor dem Hostel einen längeren Vortrag über die Besonderheiten des australischen Akzents hält. Bei Nacht macht Liverpool einen ziemlich guten Eindruck, was auch an den älteren Herrschaften liegen könnte, die sonntags offenbar zu ihrem Tanztag gemacht haben.

Die berühmten Liverpooler Ladykracher

Ein Pärchen jenseits der 60 sitzt in einem Hauseingang und flirtet, als wären die beiden Teenager. Gerne würde ich ihrem Gespräch für ein paar Sekunden lauschen, doch die laute Tanzmusik aus dem Pub übertönt sogar den Straßenverkehr. Musik spielt hier eine große Rolle, was auch daran liegen kann, dass es sich bei Liverpool um die größte irische Stadt auf Mainland Britain handelt, wie uns John erklärt hat. „Hier sind all diejenigen geblieben, die es nicht auf das Schiff nach New York schafften.“

Bilderpanorama

Tag 21: Ein letztes Hurra

Ums Eck

Mein letzter Samstag unterwegs erbringt den Beweis, dass Irland tatsächlich ein Tramperparadies ist. Obwohl ich improvisieren muss und mangels Karton mein Ziel auf Geschenkpapier schreibe, nehmen mich in Belfast innerhalb weniger Minuten zwei nette Nordiren mit, die mich trotz abweichender Route bis nach Dublin in die Stadt fahren.

Geschenkpapiertramper

Die Stadt ist voller Touristen und Menschen, die morgen irgendein komisches Spiel in einer seltsamen irischen Sportart verfolgen möchten. Es hat für mich etwas von einem letzten Hurra – nicht nur, weil ich nächsten Samstag hoffentlich gerade meine letzten Kilometer zurücklege, sondern auch, weil mir Irland Sorgen macht und ich es als heißen Kandidaten für das nächste Griechenland sehe. Bis jetzt ist im Stadtzentrum von der Krise jenseits des sichtbaren Elends nicht viel zu spüren: Die Preise sind saftig, die Shoppingtüten voll gepackt. Einzig einige Büroleerstände in guten Lagen zeugen von der geplatzten Blase, die bereits viele ausländische Arbeitskräfte wieder den Weg nach Hause hat antreten lassen. Aber was ist schon das Ende einese Booms für ein Land, das an Gorta Mór überstanden hat?

Illuminatenbauten
Seine einzige Hoffnung war, keine Beratungsgespräche führen zu müssen.
Er hatte sein Ziel erreicht: Straßenmusiker in Dublin. Wäre da nicht das Malheur mit seiner Tönung gewesen...
Einen Moment später wurde ich wegen versuchten Autodiebstahls verhaftet
Die Kombination aus lieblichem Flötenspiel und äußerst attraktiver Hinteransicht zog Emmy Flynn in den Bann.
Er war der Günther Jauch Irlands gewesen - bis seine Vorliebe für Starkbier seiner Karriere eine fatale Richtung gegeben hatte.
Für Touristen