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Freizeitvergnügen Norwegen

Die stillen Lichter der Stadt

Gibt es eine besser Art, seinen Samstagabend zu gestalten? Nachdem ich an einem ausverkauften Royksopp-Konzert  im Park vorbeigekommen bin, lande ich im Hafen Oslos.

Die Lichter der Stadt leuchten einige hundert Meter weiter, neben den Regentropfen ist nur das Tuckern eines Kutters zu hören, der gerade einfährt. Nicht weit von mir sitzen zwei junge Norweger mit Bart, sie haben ihre Angeln ausgeworfen – ich wüsste nicht, wie man einen solchen Abend besser verbringen könnte.

Das also ist es, das norwegische Hauptstadtleben, zumindest ein Teil davon. Viele Dinge gehen mir durch den Kopf, der Weg hierher, meine Reise an sich, doch ich halte inne. Es ist nicht einfach, auf Reisen in der Gegenwart anzukommen. Oft überlegt man sich, wie man ein Erlebnis seinen Freunden schildern wird, welche Bilder man nun aufnehmen sollte, was das alles bedeutet. Doch in diesem Moment gelingt es mir, mich auf die Stille zu konzentrieren, das Geräusch des Kutters, das langsam leiser wird. Nichts sonst, keine Gedanken.

Ich erwache, als zwei Menschen hinter mir vorbeilaufen. Eine ältere Dame hat sich bei einem Mann eingehackt und sagt „Jetzt wo ich die Schuhe eingelaufen habe, geht es“. „Ja, siehst Du, alles wird“, sagt der Mann lächelnd, und es hört sich nach Güte und Zärtlichkeit an. Ob ich in ein paar Jahrzehnten ebenfalls hier entlanglaufen werde, von dieser Samstagnacht in Oslo erzählend, als ich in die Stille des Meeres eintauchte, so nahe an den Lichtern der Stadt?

Norwegen Schweden Warten

Tag 14: Nervenzusammenbrüche und Naturwunder

Flaggenparty

Den größten Lacher des Tages erntete ich heute von Simon, dem Münchner mit dem Kajak, bei der Präsentation meines Regen-Outfits. Ich gebe zu, vielleicht sind die Flaggen (während des Trampens hinter meinem Kopf hervorragend) etwas übertrieben – sie sollen angeblich dabei helfen, mitgenommen zu werden – dennoch fühlte ich mich perfekt vorbereitet.

Simons Lacher blieb erst einmal für lange Zeit der einzige. Fiese Regenschauer von oben, mich ignorierende Skandinavier von vorne – von 10 bis 14 Uhr stand ich entweder sehnsüchtig den Daumen haltend an der Straße, lief die Autobahn auf der Suche nach einem besseren Platz entlang oder biss vor Wut in meinen Regen-Poncho. Auch wenn es nach 40 Minuten zu regnen aufhörte, trieb mir die Machtlosigkeit die Wuttränen in die Augen – zum ersten Mal wäre ich lieber zuhause als unterwegs gewesen. Nach einigen lauten Flüchen überlegte ich schon, mich zu Fuß auf den Weg in die nächste Stadt zu machen und dort den Bus nach Oslo zu nehmen.

Wunderschön, diese Leitplanken

Doch ich hatte Glück: Auf einem Parkplatz im Naturschutzgebiet einige Kilometer hinter Karlstad hielt ein deutsches Auto, dessen älterer Fahrer sich trotz voller Ladung breitschlagen ließ, mich vor dem Einsetzen des nächsten Schauers bis zu dem Punkt mitzunehmen, wo sich die Autobahn in Richtung Göteborg oder Oslo abzweigt. Roderich heißt der Engel, kommt aus dem Siegerland und ist Skandinavien-Liebhaber. Vor 40 Jahren arbeitete er das erste Mal in Finnland auf einem Bauernhof und kehrte seitdem immer wieder in die Gegend zurück. Doch der Bauernhof, auf dem er noch viele Jahre später häufig zu Gast war, ist inzwischen abgebrannt: Angezündet vom Besitzer, der sich noch am gleichen Abend erschoss. „Es gibt keine Stunde, in der ich nicht an Finnland denke“, sagt mir Roderich zum Abschied. Die Melancholie in seinen Augen würde einem echten Finnen alle Ehre machen.

Ins Licht

Ich gehe ein paar hundert Meter weiter, voller Hoffnung, nun doch noch den Weg nach Oslo zu meistern. Passend dazu wird die Landschaft bereits felsiger, die Regenfälle der letzten Stunden finden nun in kleinen Felswasserfällen den Weg aus den Wäldern. Und wirklich habe ich unglaubliches Glück: Johan aus Karlstad ist gerade auf dem Weg zur Arbeit auf einer norwegischen Offshore-Bohrinsel. Er nimmt mich fast bis nach Oslo mit und erzählt mir viel über Schweden und Norwegen, zum Beispiel, dass Autos in Norwegen für Fußgänger immer stoppen müssen, sobald diese ihren Fuß auf die Straße setzen.

Keine Zeit für den Sprung ins kalte Wasser
Wetterfest
Nordseehorizonte

Während der kurzweiligen Fahrt kommen wir an Landschaften vorbei, die ich weder mit meiner kleinen Handykamera adäquat festhalten, noch beschreiben kann. Seen, Weiden, grüne Wälder und ein Wetter, dass sich minütlich zu ändern scheint, sobald sich die hohen Wolkentürme dunkel färben. Es ist nur ein kleiner Eindruck, den ich von Norwegen erhalte, doch es ist ein mächtiger. Da kann Oslo, die Stadt an der Nordsee, fast nicht mithalten. Was sind schon menschliche Bauwerke im Vergleich zu den Wundern, die Wind, Sonne und Regen in die Landschaften über Jahrmillionen in die Landschaften zeichnen.

Stadt der roten Ampeln

Morgen mache ich mich auf den Weg in eine weitere Wunderlandschaft: Um 11 Uhr fliege ich nach Schottland.