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Belgien Frankreich

Tag 26: Letzte Prüfungen

Frankreich und ich werden auf der Tramper-Ebene keine Freunde: Die Reise von Calais nach Brüssel gehörte zu den bislang anstrengendsten Tagen (und ich hatte ja gedacht, dass das Hopplahopp geht).
Angeblich ist Frankreich ein Tramper-Land, aber meine Erfahrungen waren komplett entgegengesetzt: Die Kreisverkehre mit teils steilen Kurven zu den Auffahrten machen das Anhalten unmöglich. Das führt zu kuriosen Situationen: In Dunkerque stehe ich an der Auffahrt zur A 16, stelle aber fest, dass niemand anhalten wird (zumal mich zwei junge Franzosen auf der Vorbeifahrt bespucken) und laufe mit meinem Schild zu der Einfahrt des Kreisverkehrs, bei der ich am meisten Autos erwarte. Tatsächlich hält eine Dame und winkt mich aufgeregt in ihren Wagen. Als ich drin sitze, erzählt sie mir auf französisch, dass hier ja niemand halten werde, ich müsse direkt zur Auffahrt. Eine halbe Kreisverkehrrunde später hält sie an und ich stehe wieder dort, wo ich angefangen hatte, um die kürzeste Mitnahme meiner Reise bereichert.


Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits in Calais nach längerer Wartezeit den Weg am Grünstreifen neben den Leitplanken genommen, um zur nächsten Auffahrt zu kommen. Schließlich hatte mich ein Trucker für einige Kilometer mitgenommen. Auch in Dunkerque beschließe ich, erst einmal weiter zu laufen, doch der Weg durch das hohe Gras ist mühsam, zudem ist der Bereich neben den Leitplanken komplett bewachsen. So kommt es, dass ich über Felder und Wiesen wandere, Abwasserkanäle überspringe, hinfalle, Rebhühner aufscheuche, ziemlich laut fluche und am Ende an einem Autobahnkreuz herauskomme, wo ich meinen Daumen von jenseits der Leitplanke in den fahrenden Verkehr halten muss. Tatsächlich hält ein Fahrer auf dem schmalen Seitenstreifen an, schimpft mich, dass das alles zu gefährlich sei und bringt mich zum nächsten Parkplatz. Und hier fügt sich plötzlich alles: Ein britisches Ehepaar macht gerade Rast, sie sind auf dem Weg nach Deutschland (über Brüssel!) und nehmen mich nicht nur mit, sondern kredenzen mir vorher auch noch Tee und Kuchen.

Brüsseler Stadtansichten

Dass ich in Brüssel in einem recht teuren Hotel absteigen muss, weil weder Couches noch Hostels verfügbar sind, ist nur eine Randnotiz. Wenn man Menschen trifft, die man bereits seit Jahren nicht mehr gesehen hat, nimmt man das gerne in Kauf – und außerdem beginnt ja am Freitag die letzte Großetappe nach Deutschland.

England Frankreich

Tag 25: Stiller Regen


Ich bin zurück auf dem Kontinent, zurück von den Inseln, die mir einige der nachdenklichsten wie witzigsten Momente meiner Reise beschert haben. Eine letzte Nacht in London in Pubs und auf Hausdächern, übermüdet mit dem Zug zur Fähre von Dover nach Calais (ich gebe es zu, das ist geschummelt, doch die Tubes zur Autobahn hätten genauso lange gebraucht). „Fußpassagiere“ sind hier selten, drei Backpacker und ein einsamer Rollstuhlfahrer sind es dieses Mal.

Einen von ihnen, Ethan, lerne ich auf dem Weg in die Stadt kennen, als er gerade gegen sein Regencape kämpf. Ethan kommt aus Massachusetts und reist durch Europa, um sein letztes Geld vom Einsatz im Irak 2007 zu verprassen.

Bald jedoch trennen sich unsere Wege wieder, nur die Autos und das Plätschern des Regens ziehen mit mir weiter. Es dämmert, als ich die Suche nach einer Straße Richtung Dünkirchen abbreche. Mein Ziel zu erreichen steht nicht mehr im Mittelpunkt, vielmehr ist dieser 25. Tag der Reise bereits ein leises Ausklingen. Am Donnerstag geht es nach Brüssel und von dort Freitag und wahrscheinlich auch noch Samstag Richtung München.