Bloggertramp: Noch 20 Tage

Tramper in der Sonne
The shape of things to come (Foto: Michal Sacharewicz, Flickr, CC)

Es ist ungewohnt. Ungewohnt, mich hier am linken Seitenrand im Bild zu sehen, weil ich in meinen anderen beiden Blogs eher meine Texte sprechen lasse. Aber ich habe es so gewollt, denn ich mir hiermit einen kleinen Traum erfülle.

Ich glaube, es war im Frühjahr 2009, als ich auf die Idee zu Bloggertramp gekommen bin. Es war die Sehnsucht nach einer ungewöhnlichen Reise, und als ich begriff, dass der Daumenexpress das spannendste Fortbewegungsmittel überhaupt ist, war gleich klar, dass ich darüber bloggen muss, während der Reise schon*. Der Name ergab sich von selbst; auch wenn Tramp im Englischen etwas anderes bedeutet, passt doch auch diese Bezeichnung – denn die Vorstellung des digitalisierten Landstreichers hat durchaus seinen Reiz.

Für das Projekt selber gab es verschiedene Varianten, auch Sponsoring-Überlegungen oder die Frage, ob ich das Ganze nicht für irgendein etabliertes Online-Medium machen soll. Aber das hier ist mir dann doch zu wichtig, zu persönlich, zu ungewiss, und es ist vor allem mein Baby.

Deshalb wird Bloggertramp ganz simpel sein: Am 15. August werde ich hier in München aufbrechen, um vier Wochen per Anhalter durch Europa zu reisen. Über meine Erlebnisse und die Menschen, die ich treffe, werde ich bloggen (täglich und wann immer ich ins Netz kann), unter @kopfzeiler kann jeder via Twitter verfolgen, was ich gerade treibe. Auf meiner Reise hoffe ich, einige ausländische Blogger zu treffen (soweit es die Route ergibt); zudem plane ich an bestimmten Stellen Mitentscheidungsmöglichkeiten für die Netzwelt da draußen, z.B. über die nächste angepeilte Stadt.

Ein erstes FAQ gibt es hier (here in English), doch vieles dürfte sich im Laufe der Zeit entwickeln (Bloggertramp orientiert sich an Getting Real, also nix mit Perfektionismus zu Beginn). In den nächsten Tagen wird es dann genauere Infos geben, zum Beispiel brauche ich noch Feedback in Sachen Route.

Ich habe auf jeden Fall keine Ahnung, ob dies irgendjemanden interessieren wird, aber das spielt im Moment auch nur eine untergeordnete Rolle: Ich freue mich wie ein König auf all das, was da kommen wird.

*Ich bin natürlich nicht der Erste, der ein Blog über seine Tramperlebnisse führt, aber vielleicht einer der ersten Blogger, der trampt?

6 Comments

  • 28. Juli 2010 - 16:26 | Permalink

    Großartige Idee. Dann will ich mal mein Wissen über’s Trampen kurz hier einkippen. Meine Erfahrungen beruhen auf dem Zeitraum von 2003 bis 2005, sind also evtl. veraltet, aber vielleicht teotzdem nützlich. 2003 war ich mit einem Kumpel von Wien aus nach Rumänien, Siebenbürgen unterwegs, und von dort aus nach Köln zurück. Danach durch Deutschland und nach/von Dänemark. 2005 waren noch die Türkei und Syrien mit dem selben Kumpel auf dem Programm.

    Deutschland:
    – Hauptsache, man kommt auf eine größere Autobahnraststätte. Dort kann man Leute ansprechen. Sie haben in Ruhe die Chance, Dich anzusehen und zu beurteilen, ob sie Dich mitnehmen. So ist es vergleichsweise leicht, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Von der Autobahn in eine Stadt reinzukommen ist nicht immer einfach. Wenn Du eine genaue Zielstadt hast, solltest Du Dir schon vorher (oder während der Fahrt auf’m Handy) angucken, welche Autobahnausfahrten gut dafür geeignet sind, schnell raus- und wieder auf die Autobahn zu fahren + für Dich eine Bus- oder Straßenbahnverbindung bieten.

    Österreich:
    – Verhält sich sehr ähnlich wie Deutschland.

    Dänemark:
    – Die Leute sind nett, nehmen einen aber seltener mit. Außerdem hatte ich Schwierigkeiten, gute Raststätten zu finden. Und wenn Du auf einer Ausfahrt ins Nirgendwo rausgelassen wirst, auch wenn es eine sonst gut befahrene Autobahn ist, musst Du Glück haben jemanden zu finden, der Dich wieder mitnimmt.

    Ungarn:
    – Du wirst kaum mitgenommen. Die Leute sind zwar nett, brauchen aber lange, um zu entscheiden, ob sie Dich mitnehmen. Haben sie die Entscheidung getroffen sind sie schon 2 km weiter und halten dann auch nicht an. An Stellen zu stehen, wo die Leute langsam fahren und anhalten können, ist also überlebenswichtig. Von einer Seite von Budapest auf die andere zu kommen war umöglich, wir haben dann den öffentlichen Verkehr genutzt. Wirst Du dann mitgenommen, ist es i.d.R. sehr nett und unterhaltsam, wenn man eine gemeinsame Sprache spricht. Und auch so, s.u.
    Früher war es in Ungarn wohl anders, ähnlich wie in Rumänien, aber seit sich viele ein Auto leisten können, ist Trampen eine Ausnahme geworden und auch gefährlicher, sagen die Ungarn.
    Bei Regen wirst Du nicht mitgenommen, es sei denn, man sieht deutlich, dass Du trocken bist. Auf der Rückfahrt von Rumänien nach Wien 4 Std. im Regen zu stehen war zum Kotzen, und nach einer Übernachtung haben wir den Zug genommen.
    Wir konnten die Sprache nicht, also waren Gesten, Malen und ein paar Wörter englisch/französisch angesagt.

    Rumänien:
    – Als wir 2003 da waren, war Trampen außerhalb von großen Trassen auch für Einheimische ein normales Fortbewegungsmittel. Wenn Dich einer mitnimmt, erwartet er aber in der Regel einen Obulus dafür. Einen haben wir getroffen, der wollte eine 2-stellige Euro-Summe haben, da stiegen wir einfach nicht aus. Das Schinennetz als Fallback ist ganz brauchbar, aber auch die Überlandbusse.
    Innerhalb Rumäniens kommt es auch darauf an, wo Du Dich befindest. Dort gibt es z.B. eine ungarische Minderheit, die sich so verhält wie die Ungarn in Ungarn.
    Wir konnten uns mit spanisch ein wenig verständigen, weil manche italienisch können und die beiden Sprachen recht verwandt sind.

    Türkei:
    – Wir waren zw. Istanbul, Alanya und Mersin unterwegs, insbesondere bei Beysehir. Das Trampen ist dort müßig. Die meisten Einheimischen kennen es nicht, sind mit Überlandbussen unterwegs. Besondere Raststätten als Anlaufpunkte gibt es nicht. Häufig trafen wir insb. auf LKW-Fahrer, die denken, wenn Du Ausländer bist, kann man Dich ausnehmen. Selbst Absprachen vor dem Einsteigen werden mitten auf der Fahrt geändert und Du wirst im Nirgendwo rausgelassen. Dabei konnte mein Kumpel türkisch sprechen, ohne die Sprache wären wir aufgeschmissen.

    Syrien:
    – Wir haben es kaum geschafft zu trampen, da wir kein arabisch konnten und die Überlandbusse günstig waren. Vielleicht hat man das Glück, wie wir einen Einheimischen kennenzulernen, der gut englisch kann, weil er z.B. in den Saudis arbeitet. Für uns wurden sämtliche Fahrten, aber auch innerstädtischen Ausflüge von ihm organisiert. Die anfängliche Skepsis ist gewichen, als wir sahen, dass es tatsächlich Gastfreundschaft war.

    Ein paar Worte zur Kommunikation.
    An Sprachen hatten wir Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Dänisch und Russisch, später Türkich im Repertoire. Trotzdem waren wir in Ländern wie Ungarn, Rumänien und Syrien aufgeschmissen. Daher gilt es diese Stufen der Kommunikation zu beachten:
    1. Lächeln. Versetzt in der Tat Berge.
    2. Gestik. Essen, Richtung zeigen, Uhrzeit auf der Uhr, Orte auf der Karte. Klappt sehr gut.
    3. Malen. Unbedingt einen kleinen Block und Stift mitnehmen. Allein durch Zahlen und Zeitstrahlen oder Karten-Kritzel kann man sehr viel „erzählen“. Wo Du herkommst, wo Du wohnst, wohin Du fährst, wie lange. Oder Deinen Lebenslauf. Bald stellst Du fest, dass Du viel mehr erzählen kannst als anfangs erwartet.
    4. Zeigebuch. Da gibt’s doch diese kleinen Bücher mit ganz vielen Piktogrammen. Mit denen kann man sich behelfen, wenn man nicht zeichnen will.
    5. Ein paar Brocken der Landessprache lernen. Das geht beim Trampen ganz gut. Zahlen zum Beispiel. Wenn die Fahrer kapieren, dass Du Dich nicht über sie lustig machen willst, sondern echtes Interesse hast, bringen sie Dir gern, und in der Regel sehr geduldig, etwas bei.

    So, hoffe geholfen zu haben. Bei Fragen hast Du ja meine E-Mail-Adresse.

  • 28. Juli 2010 - 17:36 | Permalink

    Ach ja, und von Spanien hat man uns abgeraten. Dort wird man kaum mitgenommen, haben uns Freunde erzählt.

  • joha
    28. Juli 2010 - 20:59 | Permalink

    @Konstantin: Vielen Dank für die hilfreichen Tipps. Das mit dem Zeigebuch ist ne ziemlich gute Idee. Deine Erfahrungen aus Ungarn gefallen mir hingegen nicht so gut, denn da wollte ich auch durch. Eigentlich hatte ich die Problemzonen eher in Skandinavien gesehen (und in Italien/Spanien).

  • 28. Juli 2010 - 21:42 | Permalink

    Hallo Johannes, auch ich finde die Idee super. Hab zwar nicht so viele Tipps wie Konstantin, aber eine Radiosendung, die – was für ein Zufall – genau heute lief:
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitreisen/1235294/
    Eins, zwei Tage später wird von diesen Sendungen i.d.R. auch das MP3 reingestellt.

  • Pingback: Noch 18 Tage: Denk’ ich an Roaming in der Nacht… « Bloggertramp

  • joha
    28. Juli 2010 - 22:24 | Permalink

    @Thomas: Danke für den Hinweis…irgendwie liegt das Thema zur Zeit wirklich in der Luft, die beiden Walz-Designstudenten sind ja am Montag zu ihrer Deutschlandtour aufgebrochen.
    http://www.facebook.com/walz2010

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